Rhesusfaktorinkompatibilität
 

Von einer Rh-Inkompatibilität spricht man, wenn die Mutter Rh-negativ und das Kind Rh-positiv ist.
Da es wesentlich weniger Menschen mit dem Rh-negativ gibt (etwa 15 % der europäischen Bevölkerung), ist nur bei etwa 13 % der Partnerschaften der Mann Rh-positiv und die Frau Rh-negativ.
Nur in dieser Konstellation kann es zu der Geburt eines Rh-positiven Kindes bei einer Rh-negativen Mutter kommen, da Rh-positiv dominant vererbt wird.

Nicht jedes Kind dieser Paare ist Rh-positiv. Ist der Mann heterozygot Rh-positiv, und das sind etwa 57 % der Männer mit Rh-positiv, können von diesen Paaren auch Rh-negative Kinder erwartet werden.
Durch eine Rh-Inkompatibilität zwischen Mutter und Fetus kann insbesondere ein Risiko für das Kind entstehen. 

Heterozytogie 

Heterozygotie bedeutet Mischerbigkeit in Bezug auf Erbanlagen. Das heißt in diesem Zusammenhang, dass der Vater die Erbanlagen für Rh-positiv aber auch Rh-negativ geerbt hat. Er selber ist Rh-positiv, weil dieses dominant gegenüber Rh-negativ ist. Da er aber für beide Rhesusfaktoren die Erbanlagen besitzt, kann er auch beide weitervererben.

Das erste Rh-positive Kind einer Rh-negativen Mutter ist von der Rh-Inkompatibilität nicht betroffen.

Eine Rh-Inkompatibilität ist nur gefährlich, wenn die Mutter bereits Antikörper gegen die roten Blutkörperchen des Kindes gebildet hat. Das Kind würde dann von dem Körper der Mutter als Fremdkörper behandelt werden, er würde versuchen, das Kind abzustoßen. Dies kann aber nur geschehen, wenn der Blutkreislauf der Mutter mit den roten Blutkörperchen des Kindes in Berührung kommt. Der Übergang Rh-positiver kindlicher Erythrozyten (roter Blutkörperchen) auf die Rh-negative Mutter ist vor allem bei einer Entbindung möglich. Die Mutter bildet dann Antikörper gegen das Rh-Merkmal der eingedrungenen kindlichen Erythrozyten. Da die Bildung von Antikörpern 1-3 Monate Zeit in Anspruch nimmt, wird das erste Rh-positive Kind nicht durch die Inkompatibilität betroffen. Dieses erste Kind einer Mutter wird üblicherweise also gesund geboren.

Das zweite und weitere Rh-positive Kinder einer Rh-negativen Mutter können, müssen aber nicht erkranken.

Bei der nächsten Schwangerschaft der Mutter kann es nun frühzeitig zu einem Übergang der vorhandenen Antikörper auf das Kind kommen, wenn dieses wiederum Rh-positiv ist. Dies führt dann zu einer Auflösung der roten Blutkörperchen (Hämolyse) und somit zu einer »Blutarmut« (Anämie), also einer Verminderung der roten Blutkörperchen im Blut, womit es gleichzeitig zu einem permanenten Sauerstoffmangel in den Geweben des Fetus (Hypoxie) kommt. Um dies zu verhindern ist eine Bluttransfusion des Kindes nötig, manchmal schon während der Schwangerschaft.
Eine solche Reaktionskette wird aber nicht zwingend durchlaufen. Die Wahrscheinlichkeit, ein erkranktes Kind zu bekommen, liegt in Partnerschaften, bei denen die Frau Rh-negativ und der Mann Rh-positiv ist, nur bei 5-10 %. Eine Erkrankung des Kindes hängt immer auch von individuellen Gegebenheiten ab. Bei einer schonenden Geburtsleitung ist es möglich, das Eindringen von Erythrozyten des ersten Kindes in den Blutkreislauf der Mutter möglichst gering zu halten. 

Prophylaktische Maßnahmen 

Es gibt einige prophylaktische Maßnahmen, um eine Antikörperbildung bei der Mutter zu verhindern.
Während der Schwangerschaft wird ein routinemäßig angesetzter Antikörper-Suchtest durchgeführt. Dadurch kann gleich zu Beginn der Schwangerschaft festgestellt werden, ob die Schwangere bereits Antikörper gegen die roten Blutkörperchen des Kindes gebildet hat. Bei einer Rh-negativen Frau wird dann schon während der Schwangerschaft Anti-D-Immunglobin injiziert, um einer Bildung von Antikörpern und einer Abstoßungsreaktion bis zur Geburt vorzubeugen. Diese Immunglobingabe wird auch nach der Geburt durchgeführt, wenn das Kind Rh-positiv ist.